Urlaub in Deutschland
Eine eigene Hütte in den Bergen – mein Nachbar hat mir in fünf Minuten gezeigt, wie einfach das geht.
Er hat keinen Vortrag gehalten. Er hat sein Handy auf den Gartentisch gelegt, mir eine Karte gezeigt – und ich habe sofort verstanden, warum er seit Jahren nicht mehr im Hotel schläft.
Katrin Hofmann
Reiseredakteurin & freie Autorin · Aktualisiert August 2026
Es gibt eine Sache, die mich am Urlaub in Deutschland immer gestört hat: die Enge. Frühstücksbuffet um halb acht, Nachbarn hinter der Wand, ein Balkon mit Blick auf den Parkplatz. Wir sind in die Berge gefahren, um Ruhe zu haben – und standen wieder in einer Schlange.
Mein Nachbar Andreas, der jedes Jahr mit seiner Familie ins Allgäu fährt, saß bei uns im Garten. Ich beklagte mich beiläufig über die Hotelpreise. Er sagte nur: „Warum mietest du kein ganzes Haus?“

Was Andreas mir gezeigt hat – in fünf Minuten
Er hat eine Karte von Deutschland aufgerufen und ein paar Regionen angetippt: Berchtesgadener Land, Allgäu, Zugspitzregion, Schwarzwald, Harz, Erzgebirge. Überall dasselbe Bild – Hütten, Almhäuser, Ferienhäuser, die man komplett für sich mietet. Kein Zimmer in einem Haus, sondern das Haus.
„Du zahlst nicht pro Person, du zahlst pro Hütte“, sagte er. Genau das war der Punkt, den ich nie verstanden hatte. Zu zweit ist ein Hotel oft billiger. Ab vier Personen kippt die Rechnung – und mit zwei Familien liegt man plötzlich deutlich unter dem, was ein Doppelzimmer mit Halbpension kostet.
Was er erklärt hat
Die meisten Hütten sind nicht ausgebucht, weil sie schlecht sind – sondern weil sie kaum jemand findet. Sie stehen nicht in den großen Hotelportalen, sondern werden direkt von den Eigentümern vermietet: Bauernhöfe, Almbesitzer, Familien in der zweiten Generation. Wer weiß, wo er sucht, findet auch in der Hauptsaison noch freie Termine – oft mit Kachelofen, Sauna oder eigener Wiese.

„Wir kommen an, schließen die Tür auf, und ab da gehört der Tag uns. Keine feste Frühstückszeit, keine fremden Leute im Flur. Die Kinder laufen einfach raus auf die Wiese.“
Dann haben wir es selbst probiert
Wir haben eine Hütte oberhalb eines kleinen Ortes im Allgäu genommen. Vier Tage, zwei Schlafzimmer, Holzofen, ein Tisch auf der Terrasse. Der Weg hoch war schmal, das Netz war schlecht – und genau das war der schönste Teil.
Am ersten Morgen saßen wir um sieben draußen, unter uns lag der Nebel im Tal. Meine Tochter hat gefragt, ob wir hier wohnen bleiben können. Am zweiten Tag hatten wir das Gefühl, seit einer Woche weg zu sein.

Worauf man beim Mieten achten sollte
- Zufahrt im Winter. Viele Hütten sind von November bis April nur mit Winterreifen oder zu Fuß erreichbar. Steht meist im Kleingedruckten – vorher fragen.
- Heizung und Holz. Kachelofen ist schön, aber jemand muss einheizen. Klären, ob Holz inklusive ist und ob es eine Zusatzheizung gibt.
- Endreinigung und Kurtaxe. Kommen oft extra dazu. Bei kurzen Aufenthalten macht das den Preisvergleich zum Hotel spürbar aus.
- Früh buchen. Ferien, Weihnachten und die Wochen um Pfingsten sind bei den beliebten Hütten viele Monate vorher weg. Nebensaison ist deutlich günstiger und oft schöner.
Wir fahren inzwischen zweimal im Jahr. Einmal im Sommer, wenn die Wiesen hoch stehen, und einmal im Winter, wenn man den Weg hoch stapfen muss. Ein Hotel haben wir seitdem nicht mehr gebucht.
Wer sehen will, welche Hütten in Deutschland gerade frei sind, findet hier eine Übersicht nach Region und Termin.